Die Ruhe vor dem Sturm

Durch | 14. September 2020

Diese sprichwörtliche Redensart basiert auf Naturbeobachtung und bezeichnet ursprünglich die Stille vor Ausbruch eines Gewitters. Dabei steht das Gewitter symbolisch für den Streit und die Ruhe davor meint das Schweigen, das oft vor Ausbruch der Auseinandersetzung herrscht.
Literarisch durch Achim von Arnim (1781-1831) belegt. Siehe auch „der Wind hat sich gedreht“

Ein Kommentar von Ernst Wolff

Wir erleben in der Weltwirtschaft und im globalen Finanzsystem in diesen Tagen die sprichwörtliche Ruhe vor dem Sturm. Der Einbruch an den Finanzmärkten im März ist in der öffentlichen Aufmerksamkeit ebenso in den Hintergrund gerückt wie die Stilllegung ganzer Industriezweige und die Unterbrechung globaler Lieferketten in den Monaten März und April. Zwar ist inzwischen allgemein bekannt, dass wir es zurzeit mit der schlimmsten Rezession der Neuzeit zu tun haben, dass das Finanzsystem diesmal nur durch Billionenspritzen am Leben erhalten werden konnte und dass es noch nie in der gesamten Geschichte der Wirtschaft eine solche Entlassungswelle und so viel Kurzarbeit wie in diesem Jahr gegeben hat – aber das scheint für die Mehrheit der Menschen momentan kein Thema zu sein.