Migration zum …zigten

In der Debatte um die Zuwanderung hat die Gesellschaft verlernt, die Argumente der jeweils anderen Seite ernst zu nehmen. Plötzlich wünschen sich viele ein Stück heiles Deutschland zurück, das sie in ihrer Jugendzeit so spießig fanden.

Eine der stärksten Wirtschaftsmächte der Welt kann aber nun einmal nicht unberührt bleiben von der großen weltweiten Wanderung, die entgegen zahlreichen Behauptungen wenig mit den Folgen des Klimawandels zu tun hat und viel mit Bevölkerungswachstum und den Möglichkeiten des Internets: Anders als noch vor 20 Jahren haben die Menschen selbst in den ärmsten Ländern dank Smartphones einen klaren Eindruck davon, wie es in den reichen Staaten aussieht. Und der nächste Schlepper ist nur einen Klick entfernt.

Wer von uns wäre nicht, würden wir in solchen Verhältnissen leben, ebenfalls versucht, für sich und seine Familie nach der Chance auf ein (zumindest vermeintlich) besseres Leben zu greifen?

Angst um die soziale Sicherheit

Und da ist der andere Teil der Gesellschaft, der schlicht keine Empathie aufzubringen vermag für die Menschen in diesem Land, die, zumeist über Generationen, den hiesigen Wohlstand aufbauten und angesichts der Karawane der zu uns drängenden Elenden Angst haben um ihre soziale Sicherheit und auch um ihre Identität. Über sie wird gelästert, sie gelten als rückständig, als ignorant, als „rechts“, was das schlimmste der Schimpfworte geworden ist.

Dabei geht es längst nicht mehr durchgängig um die Verteidigung biodeutscher Identitäten. Man hört Taxifahrer mit türkischem Namen und starkem Akzent schimpfen auf die, die „hierherkommen, um sich durchfüttern zu lassen“, und Iraner, die in den 80er-Jahren vor den Ajatollahs flohen und nun zweifeln, „ob all diese Syrer, die jetzt kommen, wirklich verfolgt wurden – und überhaupt Syrer sind“.

Und man hört Deutsche in Kreuzberg, die einst dorthin zogen, weil sie Multikulti (damals gab es das Wort noch) so faszinierend fanden und sich jetzt gruseln, weil afrikanische Dealer jeden Tag ihre Kinder ansprechen. Plötzlich wünschen sie sich, nein, nicht die 60er-Jahre, aber ein Stück heiles Deutschland zurück, das sie in ihrer Jugendzeit so spießig fanden.

… doch die kommen nicht mehr zurück. – Da wurde in den letzten Jahre etwas gehörig falsch gedacht.

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