Die Kirche steht auch heute an der Seite der Mächtigen

Die evangelische Kirche hat in einem Kommentar der AfD das Recht auf gesellschaftliche und politische Akzeptanz abgesprochen und quasi im Vorbeigehen den DDR-Sozialismus als autoritären und rassistischen Nationalismus abqualifiziert. Diese Aussagen finden sich in einem Papier, das der Studienleiter der Evangelischen Akademie Berlin, Pfarrer Heinz-Joachim Lohmann, als Antwort auf das sogenannte Kirchenpapier der AfD verfasst hat.

Pfarrer Lohmann stellt die AfD anhand einiger Zitate in die Tradition der NSDAP. Die Partei stehe für Umsturz und „politische Willkür, Gefängnis für die Verantwortlichen“. Weil Deutschland heute ein Rechtsstaat sei, habe die AfD das Recht, ihre Vorstellungen zu vertreten und an Wahlen teilzunehmen. Das Recht auf gesellschaftliche und politische Akzeptanz ergebe sich daraus aber nicht.

Die AfD hatte der evangelischen Kirche vorgeworfen, sich wie in früheren Zeiten dem Zeitgeist zu unterwerfen und mit den Mächtigen zu paktieren. Konkret nennt das Papier die Kaiserzeit, die NS-Diktatur und die DDR. Heute unterwerfe sich die Kirche „linksgrünem Doktrinarismus“.

„Nationalismus widerspricht christlichen Werten“

Der Nationalismus sei nicht mit christlichen Werten vereinbar, meint der EKD-Vorsitzende Bedford-Strohm. Damit stellt er sich hinter Politiker, die diese Ideologie vor Monaten als Feindbild entdeckt haben. Hat der Bischof recht? Und was soll das Ganze?

Vor der Wahl zum EU-Parlament hat der Ratsvorsitzende der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD), Heinrich Bedford-Strohm, scharf gegen den Nationalismus Stellung bezogen. Der dpa sagte Bedford-Strohm in Brüssel:

Für mich besteht ein tiefer Widerspruch zwischen nationalistischen Einstellungen und den Grundorientierungen des christlichen Glaubens.

Heimatliebe sei etwas Wunderbares. Doch Nationalismus stelle das eigene Land an erste Stelle und werte andere ab. „Ein Deutscher ist nicht mehr wert als der Mensch aus einer anderen Nation“, so der EKD-Ratsvorsitzende weiter.

Bedford-Strohm schlägt mit seinen Äußerungen in dieselbe Kerbe wie eine Reihe prominenter Politiker, unter ihnen Bundeskanzlerin Angela Merkel, Außenminister Heiko Maas, zuletzt Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier sowie sämtliche Spitzengrüne. Sie alle präsentierten zuletzt den Nationalismus als das Feindbild unserer Tage, als Gegenbild der von ihnen gepriesenen europäischen Integration.

Bertolt Brecht beschrieb in seiner Kinderhymne von 1950, die leider nicht zur deutschen Nationalhymne wurde, wie ein aufgeklärter Nationalismus aussehen kann, der sich sicher auch mit christlichen Werten vereinbaren lässt:

Anmut sparet nicht noch Mühe,
Leidenschaft nicht noch Verstand,
Dass ein gutes Deutschland blühe
Wie ein andres gutes Land.

Dass die Völker nicht erbleichen
Wie vor einer Räuberin,
Sondern ihre Hände reichen
Uns wie andern Völkern hin.

Und nicht über und nicht unter
Andern Völkern woll’n wir sein
Von der See bis zu den Alpen,
Von der Oder bis zum Rhein.

Und weil wir dies Land verbessern,
Lieben und beschirmen wir’s.
Und das Liebste mag’s uns scheinen
So wie andern Völkern ihr’s.

Wenn nun Politiker und Kirchenobere Nationalismus als Feindbild entdecken und ihm den Supranationalismus der Europäischen Union entgegenstellen, zeigt das auch, wie abgehoben und entrückt sie sind. Denn die Nation ist immer noch untrennbar mit der Demokratie verbunden; beim „Kleinen Mann“ verstärken Äußerungen wie die des Bischofs nicht ohne Grund den Eindruck, dass ihm etwas weggenommen werden soll – das Recht, mit zu entscheiden.

Bischof Bedford-Strohm sollte sich ohnehin fragen, ob es seiner Kirche gut ansteht, sich wieder einmal derart eng an den politischen Zeitgeist anzukuscheln. In der Vergangenheit führte genau diese Nähe dazu, dass auch die Kirche chauvinistische Ideen verbreitete und sich in die Verbrechen des NS-Regimes verstrickte. Sünden der Vergangenheit durch Übersteigerung der politischen Korrektheit wettmachen zu können, ist ein Irrglaube, dem nicht nur die Evangelische Kirche anhängt.

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Die Kirche als Institution appelliert seit ihrem Bestehen an die Bequemlichkeit des Menschen. Sie verspricht, sie werde für ihn alles tun, wenn er nur zahlt und mitbetet. Jeder gesunde Mensch muß seinen Weg zum Höheren finden, dazu brauchts keine Pfaffen. Das macht natürlich Mühe, und alles, was Mühe macht, wird uns aus den Händen genommen. Die Bank rechnet, die Politik handelt, die Konzerne sorgen für uns, die Medien zerstreuen und „informieren“ uns, nur sind all diese Agenturen auf ihren Gewinn aus und nie für unser Wohlergehen. Weshalb also sich über diesen „Apostel“ mit Doppelnamen erregen? Aufregung frißt jedwede Energie. Einfach… Weiterlesen »

Lateiner
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Lateiner

Da hilft nur weiterhin fleißig austreten, denn Bedfort-Strohm ist ja von irgendwem gewählt worden, und die können ja auch nicht besser sein. An die Kirchen ein Ratschlag aus den „Taten der Römer“:
Quidquid agis, prudenter agas et respice finem!