Finger weg von Facebooks neuer Kryptowährung!

Facebook will mit Libra zur Zentralbank werden und vom Bitcoin-Hype profitieren. Doch die Blockchain ist in erster Linie Fassade, Libra ist weder dezentral noch eine Kryptowährung.

Geht es nach Facebook, wird Libra sich zu einer Weltwährung entwickeln. Der Facebook-Coin hat aber mit Bitcoin und anderen Kryptowährungen wenig gemein. Bei Libra handelt es sich um eine digitale Währung, die vielmehr an Wechat Pay als an Bitcoin erinnert. Die Frage, ob Libra eine Kryptowährung ist, hängt unmittelbar mit Überlegungen rund um den Schutz der Privatsphäre und dem Vertrauen der Nutzer zusammen.

Kryptowährungen vs. Zentralbanken

Bei der Blockchain als Technologie und insbesondere bei Kryptowährungen dreht sich viel um Vertrauen. Im Prinzip ist das auch bei herkömmlichen Währungen wie dem Euro ganz ähnlich, die ebenfalls einzig und allein deswegen funktionieren, weil wir zum Beispiel darauf vertrauen, dass Staat und Zentralbank sie nicht abwerten. Im Fall der Fiatwährungen, also ungedecktem Geld, hat die jüngere Geschichte – eigentlich erst ab dem 20. Jahrhundert – gezeigt, dass dieses Vertrauen in den Staat nicht immer gerechtfertigt ist. Dieses blinde Vertrauen auf eine zentrale Autorität, die das Geldsystem steuert, zu ersetzen, ist von Anfang an eines der Kernversprechen von Kryptowährungen gewesen und findet sich schon in der ersten Ankündigung von Bitcoin, verfasst von Satoshi Nakamoto.

Auch Facebook will den Anschein erwecken, als sei ihre digitale Währung dezentral, sodass Nutzer eben nicht auf eine zentrale Autorität vertrauen müssen. Libra soll von der Libra Association mit Sitz in der Schweiz gesteuert werden, zu der viele andere Unternehmen wie Paypal, Visa, Uber und Mastercard gehören. Allein der Fakt, dass viele namhafte Unternehmen mit an Bord sind – und dafür jeweils mindestens zehn Millionen US-Dollar bezahlt haben – sorgt in Kombination mit dem ambitionierten Ziel, ein weltumspannendes Finanznetzwerk zu erschaffen, für einen ordentlichen Hype. Klebt man dann noch das Label „Blockchain“ auf ein derartig ambitioniertes Projekt, kann man sich sicher sein, dass man in aller Munde ist.

Von wegen dezentral: Libra Association fungiert als Zentralbank

„[Die neue Blockchain für die globale Währung] ist eine dezentrale, programmierbare Datenbank, die entwickelt wurde, um eine Kryptowährung mit geringer Volatilität zu unterstützen, die als Tauschmittel für Milliarden von Menschen fungiert“, heißt es im Whitepaper zu Libra. Zugegeben, oberflächlich erinnert technisch vieles bei Libra an Ethereum oder Bitcoin: Smart Contracts, Dapps, mit Move eine eigene Programmiersprache und das Ganze sogar noch schneller und besser. Die Libra-Blockchain soll von den rund 2,7 Milliarden Menschen, die über ein Facebook-Profil verfügen, genutzt werden und bis zu 1.000 Transaktionen pro Sekunde abwickeln können. Bitcoin verarbeitet rund sieben Transaktionen pro Sekunde.

Es handelt sich bei der Libra-Blockchain aber nicht wie bei Bitcoin oder Ethereum um eine Public-Blockchain, sondern um eine Consortium-Blockchain, bei der ausschließlich zahlende Mitglieder der Libra Association Mining betreiben. Das ist laut Facebook nötig, um Probleme wie hohen Energieverbrauch, langsame Transaktionen und andere Schwierigkeiten, die zum Beispiel den Bitcoin plagen, zu vermeiden. Allein aus diesem Grund fungiert die Libra Association als eine Art Zentralbank. Laut Facebook soll sich das zwar nach fünf Jahren ändern und die Libra-Blockchain soll sich öffnen, aber diesbezüglich darf man getrost skeptisch sein.

Facebook hat zu viel Vertrauen verspielt

Bei all den dezentralen Ambitionen und der Beteiligung vieler anderer Unternehmen sollte man nicht vergessen, dass Libra ein Projekt von Facebook ist. Die meisten Nutzer werden mithilfe von Facebooks Produkten mit der Blockchain interagieren. Libra-Wallets werden in erster Linie in den Apps von Facebook wie Whatsapp oder dem Facebook-Messenger integriert sein. Das klingt nicht besonders dezentral. Quelle: t3n

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