#Nehmt allen unter 50 das Wahlrecht!

Denn sie wissen nicht, was Krieg bedeutet, und anderes auch nicht.

„Die Begründung in der Überschrift stimmt; die Empfehlung, den Jungen und Jüngeren das Wahlrecht zu entziehen, ist natürlich nicht ernst gemeint. Ich möchte damit darauf aufmerksam machen, dass der im Anschluss an den taz-Artikel von Frau Roth tobende Krieg der Generationen grotesk ist. Es gibt Mängel der politischen Wahrnehmung bei der älteren Generation und es gibt Defizite bei den Alten und bei den Jüngeren, wozu unten zehn Fragen aufgeworfen werden. DIe Vorstellung, die politischen Entscheidungen in unserem Land würden vor allem entlang der Trennlinie von Generationen und im jeweiligen Generationsinteresse gefällt, ist abstrus“. Albrecht Müller (Nachdenkseiten)

Die meisten politischen Entscheidungen fallen vermutlich nicht orientiert an den Interessen der einen oder der anderen Generation

Die Scheidelinien laufen ganz anders: die politischen Entscheidungen orientieren sich zum Beispiel an der Trennlinie von lohnabhängig Arbeitenden zu den Nachfragern nach Arbeitskräften; so war es zum Beispiel bei der Entscheidung für die Agenda 2010. Politische Entscheidungen orientieren sich an den Interessen großer Konzerne und der Reichen, ganz egal, ob alt oder jung; sie orientieren sich meist noch an der Not der Armen. Die Entscheider in der Politik orientieren sich oft an den Interessen der Rüstungswirtschaft, der Banken, der Lebensversicherer und anderer Geschäftemacher. Politische Entscheider orientieren sich zudem allzu oft an alten Feindbildern. Der Westen ist gut und der Osten ist böse – so die unterschwellige Tonlage vieler Entscheidungen.

Es ist erstaunlich und bedrückend zugleich, wie in der öffentlichen Diskussion und auch in Leserbriefen zum unsäglichen Kommentar von Frau Roth in der taz eine Art Kampf zwischen den Generationen beschworen wird. Dabei wird mit einer Unterstellung gearbeitet, die nicht nur dumm, sondern auch beleidigend ist. Es wird unterstellt, die Alten und Jungen würden, wenn sie wählen, politisch arbeiten oder publizistisch tätig sind, vor allem an die Interessen ihrer eigenen Generation denken.

Den Wahnsinn, der eine solche Unterstellung füttert, möchte ich an einem uns persönlich betreffenden praktischen Beispiel sichtbar machen: Seit Jahren kämpfen Reiner Heyse mit dem Kieler Seniorenaufstand, Anette Sorg und ich wie übrigens auch Prof. Gerd Bosbach für eine Stärkung der Gesetzlichen Rente und für die Konzentration aller Mittel auf den Kampf gegen Altersarmut. Wir tun das wahrlich nicht aus eigenem Interesse: Unsere eigene Altersversorgung ist geregelt und gesichert. Bei keiner und keinem von uns spielt das Interesse unserer alten und älteren Generation irgend eine Rolle für unsere Haltung. Das gilt in ähnlicher Weise für viele andere Menschen, die mit uns dafür kämpfen, den Unsinn von Riester-Rente, Rürup-Rente und Entgeltumwandlung bei der betrieblichen Altersvorsorge endlich zu beenden.

Wenn einem dann unterstellt wird, wir würden nur nach den Interessen unserer (älteren) Generation handeln, dann können wir uns über so viel Ignoranz nur wundern. Die handelnden Personen auf der anderen Seite – zum Beispiel Riester, die Professoren Rürup und Börsch-Supan, der Finanzdienstleister Maschmeyer und sein Gefährte Gerhard Schröder belegen eindrucksvoll, dass die Scheidelinien anders laufen: im konkreten Fall zwischen Menschen, die die Leistungsfähigkeit der Gesetzlichen Rente verbessern wollen und jenen, die aus der absichtlich betriebenen Erosion der Leistungsfähigkeit der Gesetzlichen Rente zugunsten eines neuen Geschäftsfeldes der Versicherungskonzerne und Banken persönlichen Nutzen gezogen haben. Das hat viel mit politischer Korruption und mit Geld zu tun und nichts mit der Durchsetzung der Interessen der älteren Generation.

Die gute Altersversorgung für die Jungen wurde nicht von den Alten zerstört. Sie wurde von den Banken, den Versicherungskonzernen, einigen Finanzdienstleistern und Professoren zerstört. Sie wollten die Prämien der Jungen kassieren bzw. der Finanzwirtschaft zuschanzen. Und sie hatten in dieser verrückten Debatte die Unterstützung fast aller etablierten Medien, der Bild-Zeitung zum Beispiel genauso wie die des “Spiegel”.

Die NachDenkSeiten informieren bereits seit 15 Jahren über die laufenden Kampagnen. Hier ein Beispiel vom 07. Januar 2004: Die Agitation zum sogenannten demographischen Problem geht weiter.



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